Stattdessen ging es sofort um etwas anderes. Um Grenzschutz. Um die Frage, ob Schengen noch trägt. Dänemark hat das Abkommen zusammen mit Italien ausgesetzt. In Deutschland wurde gefordert, die Kontrollen nach Frankreich zu verstärken, weil die Menschen ja von Ceuta über Spanien und Frankreich zu uns kommen könnten.
Das Merkwürdige daran: Es gab dafür keinen Anlass. Die Menschen konnten von Ceuta gar nicht aufs spanische Festland gelangen. Spanien hatte schon am Morgen erklärt, dass sie zurückgeführt werden, und die Gespräche mit Marokko liefen bereits. Wer die Meldungen gelesen hat, konnte das wissen.
Trotzdem entstand innerhalb von Stunden ein Bedrohungsszenario. Von einer Invasion war die Rede, von der Verteidigung europäischen Lebens. Es klingt nach Abwehr eines Angriffs. Gemeint waren Menschen, die sich ein besseres Leben erhoffen.
Direkt zum Video auf YouTube ->
Was mich seitdem beschäftigt, sind nicht die Politikerzitate. Es sind die Kommentare darunter.
Ich lese immer häufiger von „Viechern“ und von „Viehzeug“. Davon, dass die ruhig absaufen können. Dass man sie wegschaffen muss. Das sind nicht zwei Ausreißer, die man übersehen könnte. Das sind viele, und sie stehen unter vollem Namen da.
Diese Art zu sprechen ist nicht neu. Sie taucht in der Geschichte immer an derselben Stelle auf, nämlich bevor Menschen etwas zugefügt wird. Erst wird jemandem das Menschsein abgesprochen, dann fällt der Rest leichter. Beim Mord an den europäischen Juden war es der Vergleich mit Ratten. Bei anderen Völkermorden lief es ähnlich.
Ich will damit nicht sagen, dass wir kurz davorstehen. Ich sage nur, dass ich diese Sprache kenne und dass sie mich beunruhigt.
Am Ende des Videos sage ich, dass ich nicht weiß, wie wir das in den Griff bekommen. Das meine ich so. Bildung wäre wahrscheinlich der richtige Weg, aber sie wirkt über Jahre, nicht über Wochen. Kurzfristig fällt mir nichts ein außer dem Naheliegenden: widersprechen, wenn jemand so redet. Immer wieder.
Was ich sicher weiß: Schweigen macht es leichter. Für die, die so reden, und für alle anderen auch.
Das Video dauert etwa zwölf Minuten. Wenn du danach eine Idee hast, wie man damit umgehen kann, schreib sie mir.





Schreibe einen Kommentar