Es war eine Meldung, die mich gleichermaßen schmunzeln ließ und nachdenklich stimmte: Der Papst hat sich kürzlich in einem Gespräch mit Priestern recht deutlich gegen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) beim Schreiben von Predigten ausgesprochen. Seine Begründung: KI sei schlicht nicht in der Lage, den Glauben weiterzugeben. Genau das sei aber der Kern, die eigentliche Aufgabe einer Predigt.
Man könnte das als Berührungsangst mit Technik abtun. Ich finde aber, dass der Papst einen Punkt anspricht, der weit über die Kirche hinausgeht. Es geht um die Verbindung zwischen dem, der spricht, und denen, die zuhören.
In meiner Arbeit habe ich täglich mit solchen Werkzeugen zu tun. Ich weiß, wie verlockend es ist, einem Algorithmus das Feld zu überlassen, wenn einen die leere Seite anschaut. „Schreibe mir eine Predigt zum Thema Nächstenliebe“, ein Klick, und Sekunden später steht da ein Text. Er ist grammatikalisch korrekt und theologisch vielleicht sogar fundiert. Aber ist er ehrlich?
Ich möchte dem Papst nicht widersprechen, das Thema aber etwas genauer betrachten. Zwischen „alles von der Maschine schreiben lassen“ und „KI komplett verteufeln“ liegt viel Raum, den wir gerade erst ausloten. Es geht nicht darum, das eigene Denken zu ersetzen, sondern es zu unterstützen.
KI ist in der Kirche angekommen, genau wie in unseren Agenturen und Redaktionen. Die Frage ist nicht, ob wir sie nutzen, sondern wie wir sie einsetzen, ohne dabei das zu verlieren, was uns ausmacht: unsere ganz persönliche Botschaft, unsere Seele und in diesem Beispiel auch unseren Glauben.
Wenn der Papst davor warnt, dass eine KI den Glauben nicht weitergeben kann, beschreibt er ein ganz praktisches Problem der Kommunikation. Eine Predigt ist, wie jeder Text, der Menschen erreichen soll, mehr als der Austausch von Informationen. Es geht um den persönlichen Bezug.
Das Problem bei Texten, die komplett von einer KI generiert wurden, liegt in ihrer Funktionsweise. Ein Algorithmus berechnet statistische Wahrscheinlichkeiten. Er setzt Wörter so zusammen, wie sie in Millionen anderen Texten bereits vorkommen. Das Ergebnis ist oft glatt, fehlerfrei und inhaltlich korrekt, wirkt aber seltsam unpersönlich.
Warum hat der Papst also recht? Weil wir sofort spüren, ob jemand hinter dem steht, was er sagt, oder ob nur Phrasen aneinandergereiht werden. Eine KI hat keine eigene Biografie, keine Zweifel und keine persönlichen Erlebnisse, aus denen sie schöpfen kann. Wenn ich als Redner oder Schreiber hinter dem Algorithmus verschwinde, fehlt das Entscheidende: die eigene Haltung.
Wer Menschen erreichen und „mitnehmen“ will, muss selbst im Text präsent sein. Ein Inhalt ohne ein echtes „Ich“ wirkt auf das Gegenüber oft künstlich und unverbindlich. Er liefert zwar Fakten, löst aber kein echtes Nachdenken oder gar eine Veränderung aus.
Wenn du mich fragst, ob ich KI zur Erstellung meiner Texte benutze, ist die Antwort ein klares Ja. Das mag nach dem zuvor Gesagten wie ein Widerspruch klingen, ist es aber nicht. Es kommt entscheidend auf das „Wie“ an.
Mein Weg sieht nicht so aus, dass ich einer KI ein Stichwort hinwerfe und das Ergebnis ungesehen kopiere. Damit würde ich genau das tun, was ich kritisiere: Ich würde mein eigenes Denken delegieren. Stattdessen nutze ich die Tools als digitale Hilfsmittel.
Alles beginnt mit der Recherche. Neben der klassischen Suche nutze ich KI-gestützte Tools, um Fakten zu bündeln und Quellen zu finden. Der entscheidende Schritt folgt danach: Ich schreibe meinen ersten Entwurf selbst. Dabei achte ich noch nicht auf die perfekte Struktur oder geschliffene Formulierungen. Ich schreibe „wild“ darauf los, um meine eigenen Gedanken, meine Haltung und meine persönliche Sprache festzuhalten.
Diesen rohen Text füttere ich dann in ein KI-Tool. Aber nicht mit dem Befehl „Mach das schön“, sondern als Einstieg in ein Gespräch. Ich frage den Chatbot nach seiner Meinung.
Hier liegt für mich der enorme Vorteil. Es entwickelt sich ein digitaler Chat, der oft neue Anregungen bringt und mich dazu zwingt, noch tiefer in mein eigenes Thema einzutauchen. Das macht den Schreibprozess nicht unbedingt schneller, aber der Text wird dadurch fundierter und interessanter.
Wichtig ist dabei, dass die Entscheidung bei mir bleibt. Alles, was die KI an Fakten oder Argumenten liefert, muss überprüft werden. KI-Systeme neigen dazu, Dinge sehr plausibel klingen zu lassen, selbst wenn sie frei erfunden sind. Ohne einen kritischen Faktencheck geht es also nicht. Am Ende nutze ich die KI wieder für den Feinschliff, etwa um Wortwiederholungen zu vermeiden oder den Aufbau klarer zu machen. Das spart viel Zeit.
Am Ende des Prozesses steht der Feinschliff. Hier hilft die KI enorm dabei, Texte flüssiger zu machen oder sie auf eine bestimmte Länge zu kürzen. Aber auch hier gilt: Jede Änderung muss von mir autorisiert werden. Klingt das noch nach mir? Entspricht diese Zuspitzung noch meiner eigentlichen Aussage? Nur wenn ich diese Fragen mit „Ja“ beantworten kann, ist der Text fertig.
Es ist also zu kurz gegriffen, den Einsatz von KI beim Schreiben von Texten und eben auch von Predigten pauschal abzulehnen. Die entscheidende Frage ist nicht das „Ob“, sondern das „Wie“. Wenn wir die KI als Ersatz für das eigene Denken nutzen, hat der Papst recht: Dann bleibt die Seele auf der Strecke und die Botschaft wird zur Phrase.
Richtig angewendet kann uns die Technik aber sogar kreativer machen. Sie liefert uns Denkanstöße, die wir allein vielleicht übersehen hätten, und sie nimmt uns bei ständig wiederkehrenden Aufgaben die Last ab, damit wir mehr Zeit für die eigentliche inhaltliche Tiefe haben. Ein Priester, der durch die Unterstützung einer KI Zeit gewinnt, um sich intensiver mit den Sorgen seiner Gemeinde zu beschäftigen, nutzt die Technik im besten Sinne des Wortes: als Dienst am Nächsten.
Solange wir die KI als Werkzeug begreifen und nicht als Autor, bleibt unsere eigene Meinung, unser Glaube und unsere Persönlichkeit erhalten. Wir dürfen die Verantwortung für unser Wort nicht an einen Algorithmus delegieren, aber wir dürfen uns von ihm helfen lassen, dieses Wort präziser, verständlicher und vielleicht sogar inspirierender zu gestalten.
Am Ende geht es um die Verbindung zwischen Menschen. Die Technik ist das Mittel dazu. Wenn sie uns hilft, unsere Gedanken klarer zu fassen und andere besser zu erreichen, ist sie ein Gewinn, ohne dass wir dabei auf unsere eigene Stimme verzichten müssen.





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